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Ich, der Turm von St. Hubertus,
existiere seit 989, und als ich um das Jahr 1200
auf die jetzige Höhe gebracht wurde, konnte
ich das Land weit überblicken. Dazu bekam
ich ein schmuckes Kirchenschiff. Zu meinen
Füßen in Flittard lagen Fronhof,
Wiedenhof und Bungartshof. Das Kirchlein
genügte für die Bevölkerung,
kleine Bauern und Fischer. Es gab nur
Einzelhäuser, willkürlich hingesetzt.
Für die Feldarbeit stand an der Dorfeiche
eine Ackerwalze. Dazu lieh man sich auf dem
Fronhof der Abtei St. Martin ein Pferd. Viele
Prozessionen sah ich ziehen, auch Umzüge
mit Musik. Am Heiligenhäuschen war immer
ein festlicher Altar. Um mich herum lag der
Friedhof. Hochwasser des Rheins verwüstete
oft Land und Häuser. Es gab nur
Fachwerkhäuser. Plündernde Soldaten
zerstörten Ende de 17. Jahrhunderts den
Wiedenhof und zündeten den Bungartshof an,
der aber 1715 wieder aufgebaut wurde. Mein
kostbarster Besitz ist ein Taufstein aus dem 12.
Jahrhundert. 1768 bekam ich ein Kirchenschiff
angebaut. Mit den Franzosen ging dann zu Beginn
des 18. Jahrhunderts die Herrschaft der
Mönche von Kölns St. Martin zu Ende.
Mein Anhängsel, die Turmschule von 1533,
war schon in Vergessenheit geraten, als 1823
zwischen Flittard und dem benachbarten Stammheim
eine Schule errichtet wurde. Nachdem 1827 der
Fronhof schwere Brandschäden erlitten
hatte, wurde 1829 der Paulinenhof gebaut. 1833
wurde der jetzt noch als Museum bestehende
Telegraph errichtet. Es tat sich also etwas.
1847 sah ich die erste Eisenbahn fahren. 1847
gab es ein neues Pfarrhaus, das noch steht, und
1896 ein neues Kircheschiff. Nachdem ich 1413
ein Glöckchen mein Eigen nannte, waren es
1530 schon zwei. Jetzt bin ich mit fünf
Glocken sehr reich. Mehr kann ich gar nicht
tragen. 1876 wurde mir gegenüber eine
Schule mit zwei Klassen gebaut und 1910 um zwei
Klassen erweitert. Der Deichbau 1894 machte den
Ort bewohnbarer. Die sich rasch
vergrößernden Farbenfabriken Bayer
baute 1898 eine Kleinbahn nach
Köln-Mülheim. Eine Bürgerin
stiftete 1902 das Herz-Jesu-Stift für alte
Bürger. 1911 wurde für die ansteigen
Zahl evangelischer Christen der Betsaal
gebaut.1907 wurden die Feldwege nach Stammheim
und zur Düsseldorfer Straße
ausgebaut. Fahrräder kannte man schon. Dann
kam der Arzt mit dem ersten Auto. Es folgte 1914
die Eingemeindung nach Köln. Der 1.
Weltkrieg kam. Die Farbenfabriken wurden mit
Ballons gegen Flugzeuge gesichert. Viele
Gefallene hatte ich zu betrauern. 1926 gab es
eine Omnibusverbindung nach Mülheim. Der
Krieg 39/45 riss tiefe Wunden. Bomben und
Granaten richteten in meinem Umkreis viel Unheil
an. Auch auf mich hatte man es abgesehen. Freund
und Feind haben mich beschossen. Nachdem ich
wieder genesen war, hatte ich mich unterhalb der
Spitze verändert. Nach dem Krieg wuchs der
Ort durch den Bau von Siedlungen. So wurde 1957
die katholische St. Pius-Pfarre und 1958 die
evangelische Lukaskirche errichtet.
Aus der Festschrift "1000 Jahre Flittard"
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