Den
Glauben gemeinsam feiern – die Sehnsucht nach Ökumene an der Basis ist
groß
In Flittard und
Stammheim bewährt sich ökumenisches Miteinander auch beim
Weltjugendtag
von Karin
Vorländer
Köln
Flittard/Stammheim/ kv.
„So voll war der Schützenplatz hier in Flittard
lange nicht“, freut sich Pfarrer Lorenz Bührmann, dessen schwarzer
Talar ihn schon von weitem als evangelischen Geistlichen kenntlich
macht und der ihn bei dem strahlenden Sonnenschein am Dienstagabend
tüchtig ins Schwitzen bringt. Da haben es seine katholischen Kollegen
in ihren Alben eindeutig besser. Aber egal, welche Amtstracht die
beteiligten Geistlichen tragen, gemeinsam wollen sie im Rahmen des
Weltjugendtages Gottesdienst feiern. Etwa tausend Menschen sind der
Einladung zum ökumenischen Gottesdienst unter dem Thema: „Die Vielfalt
der Kinder Gottes entdecken“ gefolgt. Viele Stammheimer und Flittarder
aus der evangelischen Brückenschlag-Gemeinde und den vier Gemeinden
des Pfarrverbands Flittard – Stammheim – Bruder-Klaus-Siedlung sind
gekommen - und natürlich die Pilger, die am Rucksack, an den
mitgebrachten Fahnen und an der ausgelassenen Freude sofort zu
erkennen sind. Schon vor dem Gottesdienst tanzen und klatschen sie zur
Musik von „Go(o)d Connection“ und den katholischen jungen Chören „Cantemus“
und „Aufbruch-Chor“. Go(o)d Connection ist die Band der Evangelischen
Brückenschlag-Gemeinde. Für Bandleader Pfarrer Gerold Vorländer war es
Ehrensache, den Gottesdienst mit zu planen und mit geistlichen
modernen Liedern katholischer und evangelischer Herkunft
gleichermaßen für Schwung und Tiefgang zu
sorgen. „Die Verantwortlichen
haben gesagt, die Gäste sollen ja die Basis kennen lernen und die ist
bei uns eben ökumenisch. Da haben wir gerne Ja gesagt, als wir um
unsere Mitarbeit gebeten wurden. Das, was unseren ökumenischen
Geschwistern wichtig ist, ist uns auch wichtig“, sagt er. Und was ist
wichtig? „Gott anzubeten und durch den gemeinsamen Glauben mit ihm
verbunden zu sein“, wie Pastoralreferent Franz Josef Ostermann es in
der Begrüßung zum Gottesdienst ausdrückt.
Diakon Horst Peter aus Trier hat mit seiner Pilgergruppe gezielt
diesen ökumenischen Gottesdienst ausgesucht. „Wir haben heute Morgen
im Quartier schon eine wohltuende ökumenische Morgenandacht erlebt.
Ich finde in unserem Land, das eine Neuevangelisierung braucht, ist
die fehlende Einheit der Christen kein gutes Zeugnis für die Wahrheit
unseres Glaubens“, sagt er. Auch die sechs Vincentinerinnen, die
gerade vom internationalen Treffen mit Mitschwestern aus
der Dominikanischen Republik, Kolumbien,
Frankreich und den USA kommen, freuen sich an der
konfessionsübergreifenden Gemeinschaft auf dem Schützenplatz, auch
wenn die Einheit aus ihrer Sicht noch in weiter Ferne liegt. „Ich
denke, das Ganze muss erst mal wachsen. Was fast 500 Jahre lang
getrennt ist, kann nicht in zehn oder zwanzig Jahren wieder
zusammengeführt werden. Die Basis kann sehr viel bewirken, wenn wir
näher zueinander rücken. Ich wünsche mir,
dass wir eine Einheit wären von Christen, die den gleichen Glauben und
den gleichen Gott bekennen und gemeinsam Eucharistie feiern könnten“,
sagt eine der Schwestern. Doch gemeinsame Eucharistie wird auch in
Flittard nicht gefeiert. Zum Leidwesen der beiden sechzehnjährigen
Freundinnen Lisa und Andrea, - die eine evangelische, die andere
katholisch. „Wir sind doch beide Christen. Ich versteh nicht, warum
das so schwer ist“, bedauert Lisa.
Um die Einheit und
Vielfalt geht es auch im Gottesdienst.
Im Mittelpunkt steht eine szenischen Inszenierung der Völkerwallfahrt
aus Offenbarung 7. „Wir haben jetzt schon den heiligen Geist, der uns
hilft, aus der Vision der Einheit und der gemeinsamen Anbetung Gottes
hier und jetzt eine Realität entstehen zu lassen und uns über aller
Grenzen hinweg aufeinander zu bewegen“, betont Franz Josef Ostermann
in seiner Predigt.
In spontanen Fürbitten beteten Gottesdienstteilnehmer verschiedener
Konfessionen und Nationalitäten für die Einheit der Kirche , den
Frieden in der Welt und gaben ihrer Trauer um den ermordeten Frère
Roger Schütz Ausdruck.
Nach dem lateinischen Schlusssegen,
den auch Pfarrer Bührmann mitspricht, ist dann bei Kölsch und Cola
freie Bahn für mehr Begegnung über die Grenzen von Konfessionen,
Stadtteilen und Nationen hinweg. Ein zwanzig Meter langes Buffet lädt
zum kostenlosen Essen ein. Frauen aus der evangelischen und
katholischen Gemeinde haben es gemeinsam bestückt - natürlich. Sie
freuen sich, dass die Pilger aus Bolivien und Saarbrücken genauso
kräftig zugreifen wie die Nachbarn aus dem Stadtteil.
Gute
ökumenische Beziehungen gehören in Köln-Flittard-Stammheim seit Jahren
zum kirchlichen Alltag. Seit zwei Jahren gibt es einen
Partnerschaftsvertrag, der gegenseitige Einladungen zur Teilnahme am
Gemeindeleben und gemeinsame Sitzungen von Pfarrgemeinderat und
Presbyterium vorsieht. Gemeinsame Kinderbibelwochen, ein ökumenischer
Kreuzweg und Jugendfreizeiten verstärken das ökumenische Band, das
nicht nur aus Sicht der katholischen Pfarrfrau im evangelischen
Pfarrhaus in Stammheim, ruhig noch stärker werden könnte. „An der Basis ist die
Freude an dem, was an Ökumene klappt, größer als die durchaus spürbare
Trauer über das, was nicht möglich ist – wie die gemeinsame
Eucharistiefeier“, beschreibt Franz Josef Ostermann die Stimmung, die
er an der Basis wahrnimmt.
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