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Köln-Flittard  - Gaswolke über Flittard

Aktuelle Berichte aus dem Kölner Stadt Anzeiger
 

Kinder nach Gas-Unfall im Krankenhaus

Noch auf dem Schulhof mussten 47 Mädchen und Jungen behandelt werden.

In der Grundschule Am Feldrain in Flittard lief gerade die vierte Stunde, als sich am Dienstag plötzlich der Geruch von faulen Eiern in den Klassenräumen verbreitete. Zunächst begannen erste Kinder zaghaft zu husten, dann klagten die Schüler gleich reihenweise über Magenschmerzen und Übelkeit. Zwei Kinder erbrachen sich auf der Schultoilette, auch zwei Lehrerinnen meldeten Magenbeschwerden. Mit einem Großaufgebot von Rettungswagen und Notärzten rückte die Feuerwehr zu der Schule aus. Auf dem Schulhof mussten 47 Kinder behandelt werden, 23 von ihnen wurden zur Beobachtung ins Krankenhaus gebracht. Ursache für die Massen-Übelkeit war das giftige Gas Schwefelwasserstoff, das in einer Chemiefirma in Merkenich freigesetzt worden war.

Nach einer Routinekontrolle war am Mittag auf dem Gelände der Firma "Akzo" eine Anlage zur Herstellung von Schwefelkohlenstoff wieder in Betrieb genommen worden. "Dabei bildet sich Schwefelwasserstoff, der über einen 150 Meter hohen Schornstein an die Luft gelangt. Durch die ungewöhnliche Wetterlage ist das Gas offenbar in höherer Konzentration niedergegangen", sagte Firmensprecher Holger Ebbinghausen. Zunächst hatten Anwohner aus Merkenich wegen des fauligen Geruchs die Feuerwehr alarmiert, kurz darauf gingen auch Anrufe von der anderen Rheinseite ein. Am schlimmsten traf es jedoch die Grundschule in Flittard. "Der Geruch war zwei Minuten richtig intensiv. Ganz schlimm war es in den Klassen, in denen die Fenster geöffnet waren", sagte Schulleiter Jürgen Giljohann. Anschließend seien die Schüler sofort im Mehrzweckraum versammelt worden, die Sekretärin der Schule versuchte, möglichst alle Eltern telefonisch zu erreichen. "Wir mussten vor der Schule warten und konnten erst nach mehr als zwei Stunden zu unseren Kindern", sagte Miluschka Schröder, deren Tochter die dritte Klasse besucht.

Während die besorgten Eltern vor dem Schultor standen, offenbarte sich den Rettern der Feuerwehr das Ausmaß des Unglücks. "Wir haben sechs Rettungswagen und drei Notärzte angefordert, um die vielen Kinder untersuchen zu können", sagte Einsatzleiter Volker Ruster. Nach dem Einatmen des Schwefelwasserstoffs ist die neunjährige Jil aus der dritten Klasse recht glimpflich davon gekommen. "Ich habe Bauchschmerzen und konnte mich im Klassenzimmer nicht mehr konzentrieren", berichtete sie und ließ sich von ihrer Mutter nach Hause begleiten. Fast 50 Kinder mussten sich von den Notärzten untersuchen lassen, 23 von ihnen wurden ins Krankenhaus gebracht. "Die Kinder werden beobachtet, denn im Ernstfall können Lungenbeschwerden auftreten. Normalerweise bleibt es aber bei Übelkeit oder einer Reizung der Atemwege", sagte Volker Ruster. Auf dem Schulhof wurden die Kinder derweil im Akkord behandelt. Schüler mit ernsteren Gesundheitsproblemen bekamen eine grüne Karte um den Hals gehängt und wurden in Dreiergruppen mit Rettungswagen zur Uniklinik, ins Kinderkrankenhaus und ins Porzer Krankenhaus gefahren. Für die übrigen Schüler findet am Mittwoch wieder normaler Unterricht statt.

 

Polizei ermittelt nach Gasunfall

Firmenmitarbeiter statteten nach dem Störfall der Schule einen Besuch ab. Sie boten der Schule eine Informationsveranstaltung für Eltern an.

An normalen Unterricht war am Mittwoch in der Grundschule Am Feldrain in Flittard nicht zu denken. In vielen Klassen blieben Plätze leer, denn nach dem Störfall in einer Merkenicher Chemiefirma vom Vortag hatten 19 Kinder die Nacht mit Magenschmerzen und Atembeschwerden im Krankenhaus verbracht.

Gelernt haben die übrigen Schülerinnen und Schüler trotzdem einiges - vorzugsweise über das giftige Gas Schwefelwasserstoff, das viele von ihnen am Dienstag eingeatmet hatten. "Wir haben mit den Kindern über den Unfall gesprochen und mussten jede Menge Fragen beantworten", sagte die stellvertretende Schulleiterin Ursula Born. Die Frage nach der Unglücksursache konnte ebenfalls beantwortet werden, denn offenbar hat der Ausfall eines Überwachungssystems bei "Akzo Nobel" zum Austritt des Gases geführt. Inzwischen ermittelt die Polizei wegen fahrlässiger Körperverletzung. Nach dem Austritt des Schwefelwasserstoffs hatten die Verantwortlichen der Chemiefirma zunächst gen Himmel geblickt und die Entstehung der Gaswolke auf die "ungünstige Wetterlage" geschoben. Von Windverhältnissen und Hochdruckeinfluss war am Tag nach dem Unglück allerdings keine Rede mehr. Im Gegenteil: "Die Störung wurde von den Mitarbeitern sofort erkannt, so dass gegengesteuert werden konnte. Dennoch ist für etwa fünf bis zehn Minuten eine größere Menge Schwefelwasserstoff ausgetreten", sagte Firmensprecher Holger Ebbinghausen. Nicht nur in der Firma läuft nun eine intensive Ursachenforschung, sondern auch beim staatlichen Amt für Umweltschutz.

Dessen Mitarbeiter erstellen laut Polizei ein Gutachten zum Unglücksverlauf. "Das wird mehrere Wochen dauern. Dann wird sich zeigen, ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werden kann", sagte ein Polizeisprecher. Mehrere Vertreter der Chemiefirma waren am Mittwochmorgen durchs Schultor in Flittard geschritten, um sich bei Schülern und Lehrern für den Zwischenfall zu entschuldigen. "Wir wollten uns über die gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Schüler erkundigen.

In den kommenden Wochen werden wir für die Eltern eine Informationsveranstaltung in der Schule durchführen", kündigte Holger Ebbinghausen an. Zur Aufklärung hatte die Schule bereits am Mittwoch beigetragen und einen Elternbrief verteilen lassen.

Nach dem Störfall war am Dienstag eine Schwefelwasserstoff-Wolke über die Schule hinweggezogen. Zahlreiche Kinder hatten das nach faulen Eiern riechende Gas eingeatmet, 47 mussten noch auf dem Schulhof von Notärzten behandelt werden.

 

Copyright © 1996-2004 Webmaster@Köln-Flittard Letzte Bearbeitung: 21. Mai 2004